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Suche nach der Arche Noah – ein neues Kapitel

Rückblick auf das Noah-Symposium an der Universität Sirnak.

8.10.2013

Schon viele wagemutige Forscher haben versucht, die Arche Noah aus dem ewigen Eis des Berges Ararat zu bergen, hin und wieder gab es Erfolgsmeldungen. Doch allesamt haben sich als Irrtum oder Betrug erwiesen. Am letzten Septemberwochenende könnte nun ein neues Kapitel der Arche-Suche aufgeschlagen worden sein – an einem anderen Berg, 300 Kilometer vom Ararat entfernt: dem Berg Cudi nahe der südosttürkischen Provinzhauptstadt Sirnak. Die dortige Universität hatte zu einem internationalen Symposium eingeladen, das sich mit dem Arche-Landeplatz der muslimischen Tradition beschäftigen sollte. In der Koransure 11,44 heißt es: »Und (die Arche) kam auf dem Al-Dschudi zur Rast.«

Inzwischen glauben auch einige Christen daran, dass die muslimische Überlieferung auf viel ältere christliche und sogar mesopotamische Quellen zurückgeht und dass die »Berge von Ararat« – in der Bibel in der Mehrzahl erwähnt – mit der Cudi-Gebirgskette gleichzusetzen sind.

Cudi-Kette
Blick aus meinem Hotelzimmer: Die Cudi-Gebirgskette.

Zum Auftakt des Symposiums widmete sich Bill Crouse aus Texas, der seit 40 Jahren nach Überresten der Arche forscht, der wichtigen Frage, welche Argumente für den Berg Cudi sprechen und gegen den »Agri Dagh« – bei uns als Ararat bekannt. Neben den vergeblichen Versuchen, die Arche zu finden führte er hauptsächlich geologische und historische Gründe an, die eine deutliche Sprache für den südlicher liegenden Cudi sprechen. Muslimische, christliche, jüdische und heidnische Quellen deuten geografisch viel stärker auf den Cudi Dagh, es gibt sogar Hinweise darauf, dass größere Überreste der Arche noch bis ins erste nachchristliche Jahrtausend hinein existiert hätten.

Gordon Franz, Altertumsforscher aus New Jersey, sprach in seinem Vortrag über die bedeutende Rolle des assyrischen Königs Sanherib für die geografische Suche nach der Arche Noah. Der Amerikaner Mark Wilson und der polnische Professor Miroslaw Patalon gingen auf christliche Noah-Texte ein, John Baumgardner und Anne Habermehl zeigten geologisch-erdgeschichtliche Aspekte der Sintflut auf. Rex Geissler, Betreiber der informativen Internetseite www.noahsarksearch.com, verteidigte den 5137 Meter hohen Vulkankegel Agri Dagh als Landeplatz der Arche und berichtete von seinen eigenen Erkundungen und archäologischen Entdeckungen am berühmten Ararat-Berg. Ich selber zeigte Bilder und Erkenntnisse deutscher Forscher, die den Berg Cudi besucht haben.

Timo Roller
Während meines Vortrags »The German Explorers of Cudi Dagh – 114 years of Examining the Real Landing Place«

Viele weitere Vorträge beleuchteten Noah und die Sintflut aus muslimischer Sicht, einige wenige einheimische Redner hatten mit auch für christliche Besucher wertvollen Informationen und Bildern aufzuwarten. Vor allem Prof. Ibrahim Baz mit seiner bebilderten Präsentation über die am Fuße des Berges liegende antike Festung Sah sowie Abdullah Yasin, der als Gründer eines kleinen Museums in der Nachbarstadt Cizre etliche interessante archäologische Funde vorstellte, zogen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Noch erwähnenswert: Prof. Dr. Marcel Sigrist aus Jerusalem vertrat mit seiner in der akademischen Welt üblichen Meinung, die Arche habe es niemals wirklich gegeben, auf diesem Symposium eine Außenseiterposition.

Die Schlusserklärungen der Universitätsleitung sowie lokaler Politiker waren hoffnungsvoll: Man wolle archäologische Forschungen am Berg vorantreiben und die recht arme Gegend touristisch entwickeln. An Ideen und Perspektiven für die Zukunft fehlte es nicht: Von einem Schnellzug und einer Seilbahn auf den Cudi-Gipfel war die Rede – das Symposium sollte der Auftakt sein zu weiteren Aktivitäten, um die Provinz mit ihrer starken Arche-Noah-Tradition international bekannter zu machen.

Grab Noahs
Das »Grab Noahs« in Cizre.

Im Anschluss an das Symposium waren verschiedene Ausflüge geplant. Fünf amerikanischen Teilnehmern und mir war in Aussicht gestellt worden, per Hubschrauber oder per Auto und zu Fuß zum Gipfel zu gelangen. Doch am Sonntagmorgen wurden alle Hoffnungen von der bitteren Realität eingeholt: Die Gegend ist immer noch alles andere als politisch stabil. Lange Zeit war das Gebiet um den Berg Cudi sehr unruhig und einer der Hauptschauplätze des Krieges zwischen der kurdischen Untergrundorganisation PKK und dem türkischen Militär. Aufgrund der im März 2013 durch PKK-Führer Abdullah Öcalan ausgerufenen Waffenruhe war es aber in den letzten Monaten überraschend ruhig geworden und viele Einheimische konnten inzwischen erstmals zu den Ruinen auf dem Cudi-Gipfel gelangen. Daher erschien es uns sehr wahrscheinlich, dass wir als ausländische Forscher nun ebenfalls das Ziel unseres Interesses erreichen konnten, um uns ein Bild vom »Landeplatz der Arche« zu machen.

Wie sich jedoch herausstellte, gab es just an diesem Wochenende direkt am Berg ein kurdisches »Festival«, eine Art Demonstration. Zunächst war die Versammlung türkischen Medien zufolge wohl als Umweltschutzaktion gegen ein neues Kraftwerk und einen Staudamm ausgegeben – es gab dann aber auch recht deutliche Proklamationen für die Befreiung des seit 1999 inhaftierten Öcalan und für die Unabhängigkeit der Kurden. Trotz Sperrung aller Zufahrtswege durch das Militär trafen sich mehr als tausend Demonstranten.

Für uns Forscher aus dem Ausland hatte dies zur Folge, dass unsere Anwesenheit in Sirnak nicht länger erwünscht war, da man »keine Verantwortung für unsere Sicherheit« gewährleisten konnte. Es wurde uns nahegelegt, umgehend abzureisen. Zu viert, die wir zwei weitere Tage zur Erkundung des Berges geplant hatten, wurden wir mit einem Taxi ins 370 Kilometer entfernte Sanliurfa gefahren.

Daher waren Bill Crouse, Gordon Franz, John Baumgardner und ich die beiden verbleibenden Tage auf den Spuren Abrahams und der frühen Menschheit in Urfa, Harran und Göbekli Tepe unterwegs. Dies sind natürlich hochinteressante Sehenswürdigkeiten, im Vergleich zu einer erstmaligen Erforschung der antiken Stätten auf und um den Berg Cudi aber nur ein schwacher Trost.

Und doch war die Reise in die Südosttürkei eine wichtige und wertvolle Unternehmung: Wir konnten uns austauschen, Kontakte knüpfen und werden vermutlich in irgendeiner Weise mit am Ball sein, sollte sich die Situation tatsächlich einmal dauerhaft stabilisieren. Dann könnten archäologische Untersuchungen möglich werden, um der Frage auf die Spur zu kommen: Gibt es auf diesem Berg Cudi noch irgendwelche Spuren von Überresten der Arche Noah?

Einen Rückblick auf die Reise mit vielen Bildern wird es am Sonntag, 3. November 2013 ab 20 Uhr in Wildberg-Sulz geben: »17 km entfernt vom Landeplatz der Arche – Auf den Spuren von Noah und Abraham in der Südosttürkei«. Weitere Informationen über meine bisherigen Forschungen des Berges Cudi sind im Internet zu finden: www.noahs-berg.de. Für das Frühjahr 2014 ist eine ausführliche Dokumentation geplant über die biblische Sintflut und die Suche nach der Arche Noah. Mein Buch wird im Verlag SCM Brockhaus erscheinen und hoffentlich rechtzeitig zum Kinostart des Hollywood-Films »Noah« erhältlich sein. Aktuelle Informationen gibt es auf meiner Internetseite www.morija.de sowie auf www.noah2014.com und der dazugehörgen Facebookseite www.facebook.com/noah2014.

Timo Roller

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